Samstag, 20. Juni 2015

Unverhofft kommt oft



Vor zwei Wochen war Hanna übers Wochenende an die See gefahren. Sie wollte immer schon mal Norderney besuchen. Bei der Besichtigung des Hafens traf sie doch tatsächlich einen anderen Nisser dort. 
Diese Dame freute sich so sehr, endlich mal nicht alleine zu sein, das sie Hanna direkt zu einer Limonade auf der Strandpromenade einlud.
Die Dame stellte sich als Hermine Heidelbeer vor und erzählte, das sie noch nie einen anderen Nisser getroffen habe. Sie hatte schon gedacht, sie sei die letzte ihrer Art.
Ihr könnt euch vorstellen was für große Augen Hermine machte, also Hanna ihr von Ole, Magnus, Lili, Lovis und all den anderen erzählte. Man plauschte so angeregt miteinander, das das Wochenende wie im Flug verging und Hanna wieder heim musste.

Nun stand Hermine wieder alleine da. Sie war zwar einerseits froh darüber nicht die letzte ihrer Art zu sein, aber auch traurig das sie alleine zurück blieb.
Plötzlich erhellten sich Hermines Gesichtszüge. Wer sagte denn das sie alleine bleiben musste? Hier auf Norderney reisen die Leute doch ständig an und ab. Wer sagt denn da, das sie nicht auch verreisen konnte. Zwar wusste sie nicht genau wo Hanna wohnte. Aber das würde sie schon raus finden. Erstmal runter von der Insel. Das war auch gar kein Problem. Hermine setzte sich in ein Café am Hafen und suchte sich eine passende Reisegelegenheit aus. In der Handtasche einer reichen alten Dame war soviel Gerümpel, das Hermine sich ohne Probleme dazwischen schmuggeln konnte. Sie musste nur aufpassen, das sie nicht erschlagen wurde von der riesigen Tüte Hundeleckerlies für den ekeligen Mops, den die Dame dabei hatte. Hoffentlich geht die Fähre bald los dachte Hermine. Diese große Flasche mit der Aufschrift 4711 roch etwas stark und die Mischung aus Leckerliduft und dem Inhalt der Flasche, schlug ihr etwas auf den Magen.
Endlich ging es los. Die Tasche schwankte hin und her und Hermine nahm an, das die Dame nun auf die Fähre ging. Dann war es wieder ruhig und dem Geschirrklappern nach zu urteilen, hatte die Dame im Café der Fähre Platz genommen. Dann gab es ein Rasseln und furchtbares Motorgeheul. Die Fähre hatte sich in Bewegung gesetzt und schaukelte hin und her. Kurz darauf hörte man es nur noch schmatzen. Hermine wagte es aus der Tasche zu schauen. Die Dame saß bei einem Stück Sahnekuchen und der Mops hatte doch tatsächlich auch ein Stück Kuchen bekommen. Dieser Anblick, gemischt mit dem Taschengeruch und dem schwanken der Fähre bekam Hermine gar nicht gut. Ihr wurde speiübel. Sie legte sich in der Tasche hin und versuchte an etwas anderes zu denken. Doch es nutzte alles nichts. Die leckeren Brote die sie vor der Abfahrt noch gegessen hatte um sich zu stärken, wollten unbedingt wieder raus. Plötzlich ging alles schnell und das Brillenetui der alten Dame hatte eine zusätzliche Füllung erhalten.
Endlich hörte das Rollen und Stampfen aus dem Bauch der Fähre auf . Hoffentlich sind wir nun da, dachte Hermine sich. Kurz darauf begann die Tasche wieder zu schaukeln. Doch diesmal war es die bekannte Bewegung, wenn die Tasche am Arm der alten Dame hing. Hermine lauschte angespannt ob sie hören konnte wo es nun hin ging. Sie hörte viele Leute, den Mops hinter seinem Frauchen her schnaufen, schließlich wieder Geschirr klappern und kurz darauf wurde die Tasche wieder abgesetzt. Hermine schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Das konnte doch nicht wahr sein. Schon wieder ein Café? Hermine überlegte wieviel Kuchen wohl in die alte Dame hinein passen würde. Aber dann entschloss sie sich lieber die Tasche zu verlassen und nicht weiter zu beobachten, wieviel Kuchen wohl noch passt.
Nachdem sie sich nun aus der Tasche  und kopfschüttelnd an dem schmatzenden Mops, der von Frauchen schon wieder mit einem Tellerchen Sahne bedacht worden war, vorbei gekämpft hatte, sah Hermine sich erstmal um.
Dies schien wirklich das Festland zu sein. Soweit hatte der Plan also funktioniert. Und jetzt?
Hermine beschloss zu einer Bushaltestelle zu gehen, von wo auch die Mäusekutschen fuhren. Das hatte Hanna ihr nämlich erzählt. Und wenn keine Mäusekutsche käme dann wollte sie den Bus nehmen. Egal wohin die Busse dort fahren würden. Sie würden sie auf jeden Fall weiter ins Land hinein bringen. Und soviel wusste Hermine, Hanna wohnte mindestens drei Tagesreisen mit der Mäusekutsche entfernt.
Also packte Hermine ihr Schild aus, das sie schlauerweise daheim angefertigt hatte und wartete auf eine Reisegelegenheit.


Es verging eine Stunde und noch eine und noch eine. Kein Bus kam, keine Mäusekutsche kam. Langsam begann Hermine an ihrem Plan zu zweifeln. Ihre Brote hatte sie auch schon aufgegessen und der Magen grummelte. Just als sie ihren Koffer nehmen und wieder Richtung Fähre gehen wollte, hörte sie ein leises Tuckern. Was war denn das? Sie schaute sich um und sah weit entfernt etwas das sich relativ schnell näherte. Ob das eine der Mäusekutschen war? Schlagartig hellte sich Hermines Stimmung wieder auf und sie winkte wild mit dem Schild.
Dann kam das tuckernde Etwas näher.
Das war keine Kutsche, das war so eine Knatterkiste auf zwei Rädern. Und darauf saß doch tatsächlich ein Nisser. Hurra, ein Nisser! Hermine hüpfte vor Freude. Vielleicht wusste der Nisser sogar wann die nächste Mäusekutsche fuhr oder gar wo Hanna Honig wohnte.
Als der Roller endlich bei ihr angekommen war, sah Hermine das es eine Nisserdame war. Und diese rief direkt: Hey du da, wo gehts hin? Ah ich sehe schon, zu Hanna Honig willst du? Na dann hüpf mal rauf. Hermine war nun doch etwas verdutzt und das sah man ihr wohl am Gesicht an. Da lachte die Nisserdame. Entschuldige, darf ich mich vorstellen? Ich heiße Lovis und wohne auch zeitweise bei Hanna, wenn ich nicht bei Uropa und Uroma wohne.
Aber was machst du dann hier oben an der Nordsee? fragte Hermine immer noch ganz verdattert.
Ach so, ja das ist ganz einfach. Ich war mit Uroma und Uropa hier oben im Urlaub. Die schleppen auch meine ganzen Koffer und so mit nach Hause aber ich fahre lieber mit meinem Roller nach Haus. Der braucht dringend mal etwas mehr Bewegung an den Rädern jetzt im Sommer. Was ist nun, soll ich dich mitnehmen oder nicht?
Da ließ Hermine sich nun nicht mehr lange bitten und hüpfte hinten rauf. Den Koffer klemmte Lovis vor sich und los ging es.

Doch nach ein paar Metern hielt Lovis wieder an. Hermine dachte schon, Lovis habe sie veralbert, wüsste gar nicht wo Hanna wohnt und würde sie nun wieder vom Roller werfen. Doch Lovis rief nur: Wie konnte ich das vergessen? Du hast ja gar keinen Helm auf. Wenn wir so weiter fahren, kriegen wir sicher irgendwo unterwegs ein Knöllchen und gefährlich ist es ja schließlich auch. Hermine schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an. Ja und wo kriege ich jetzt einen Helm her? Muss ich jetzt doch hier bleiben? Oh weh oh weh..
Ach was! Lovis winkte ab. Das Problem ist schnell behoben. Sprachs, sprang ins Gebüsch, es raschelte und 5 Minuten später kam sie wieder zum Vorschein. Schönen Gruß von Frau Amsel, sie schenkt dir gerne eine ausgediente Eierschale. Die sind nämlich nach der neuesten TÜVPrüfung als Helmersatz für Nisser zugelassen.
Und jetzt aber los, sonst schaffen wir es diese Woche nicht mehr bis nach Hause rief Lovis und brauste los.
Nicht einmal 5 Tage später (Lovis hatte ihren persönlichen Rekord gebrochen) war man schon bei Hanna Honig angekommen.

Lovis freute sich sehr, das sie auch noch einen Überraschungsgast mitbringen konnte und wollte diese Überraschung auch ausgiebig auskosten.
Als sie nun mit Hermine die Treppe zur Haustür, durch deren Briefkasten sie bisher immer das Haus der Großlinge betreten hatten, erklommen hatte, war sie ganz verwundert.
Ja gibt es den das? Endlich hat Magnus es geschafft, wir haben eine eigene Haustür, jubelte sie und betätigte auch sofort die Klingel.
Dann zog sie Hermine mit sich fort, in die Ecke neben der Tür. Pst, leise sein und nicht verraten das wir hier sind, kicherte sie. Sie wollte Hanna ein wenig Necken.

Und schon kurz darauf öffnete sich die Tür und Hanna kam heraus, sah niemanden vor der Tür, schaute links herum und rechts herum und dann sah sie endlich Lovis und Hermine.

Die Freude war übergroß. Aber Lovis fragte ersteinmal besorgt: Hanna , sag mal warum gehst du denn so gebückt? Hast du Rückenschmerzen? Hanna seufzte. Ach weißt du Lovis, Magnus hat nun endlich eine Tür gebaut, sie ist ja auch wunderschön. Aber ich glaube ihm ist der Zollstock  unten 5 cm abgebrochen bevor er angefangen hat zu bauen. Und deshalb ist die Tür etwas zu klein geraten. Und das geht doch ein wenig ins Kreuz. Aber nun kommt erstmal rein. Die andern werden sich sicherlich auch sehr freuen euch zu sehen, sprachs und ging hinein um den Kaffee vor zubereiten.

Lovis und Hermine quetschten sich durch die Tür und waren dann tatsächlich froh ihren Helm noch an zu haben, damit sie sich nicht den Kopf verletzten. Lovis murmelte etwas von: Da muss aber was geändert werden, das hält man ja nicht aus und rieb sich den Rücken als sie sich endlich wieder aufrichten konnte.

Zur Feier des Tages hatte Hanna sogar ihre goldene Kaffeekanne raus geholt. Schließlich hat man nicht jeden Tag einen neuen Mitbewohner. Denn während Lovis und Hermine sich noch durch den Türrahmen quetschten, hatten die anderen schon längst beschlossen, das Hermine natürlich da bleiben musste. 
Das würde dann auch ausführlich mit Kaffee und Kuchen gefeiert.
Nebenbei erwähnte man auch, das man den Großlingen irgendwann mal Bescheid geben müsste, es wäre ein weiteres Bett von Nöten im Nisserhaus. Aber das wäre nicht so eilig. Magnus hatte sich ganz ritterlich bereit erklärt auf der Couch zu schlafen bis man sich eingerichtet hätte.

Und so kamen wir zu einem weiteren kleinen Mitbewohner.
 Ich sage ja: Unverhofft kommt oft.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Das Mäusekrankenhaus

Vor ein paar Tagen führte mich mein Weg ins Krankenhaus. Dort kam ich an einem Baum vorbei. Sofort dachte ich: Da wohnen sicher Wichtel drin.
Doch am nächsten Tag wurde ich eines besseren belehrt.
Als ich wieder dort vorbei kam hörte ich etwas piepsen. Als ich mich umdrehte endeckte ich da etwas im Baum.
Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus: Dr. Maus hatte grade Sprechstunde.
Der Patient hat ist wohl, beim turnen auf dem Spielplatz, gefallen und hat sich den Kopf gestoßen.
Dr. Maus verbindet alles fachgerecht.

 Und damit es nicht so weh tut muss der Patient noch eine Medizin nehmen. Nun komm schon, schön austrinken.

 Hmm, es scheint als schmecke die Medizin gar nicht mal so schlecht, so wie der Patient die Flasche austrinkt.

Und weil er so brav war bekommt er auch ein Bonbon.
Nachdem ich den Dr. so bei der Arbeit erlebt hatte, hab ich ihn gefragt ob er auch andere Patienten behandeln würde. Er sagte: Natürlich, ich bin zuständig für alle Tiere, Wichtel und Trolle die hier im Park wohnen. Auch für die Wachkatze die immer vorne im Foyer des Krankenhauses schläft. Im Gegenzug bewacht sie auch unser Krankenhaus im Baum, damit uns nichts passiert. 


Das machte mich nun nochmal so neugierig. Ich fragte ihn dann auch, ob er denn auch Menschen behandeln würde. Nein, das habe ich noch nicht. Die meisten Menschen haben ja Angst vor uns, antwortete er etwas geknickt. Mein Angebot, ihn ins Krankenhaus der Menschen zu begleiten und ihm einen Patienten vor zu stellen, der garantiert keine Angst vor ihm hat, freute ihn sehr. 
Aber seine Untersuchungsmethoden waren dann wirklich etwas seltsam.  
Er meinte lapidar: Puls ist Puls und den kann man überall hören. außerdem riecht es hier am besten. 
Seine Diagnose lautete dann: extreme Käsefüße Größe 46, Marke Limburger.
Die weitere Behandlung des Fußbesitzers haben wir dann doch dem Menschenarzt überlassen. aber Dr. Maus kam mit seinem mittlerweile geheilten Patienten jeden Tag einmal zu Besuch. 
 Als dieser Besuch mit der Visite des Menschenarzt zusammen fiel, rannte die Oberschwester zwar kreischend davon, der Oberarzt aber lachte und nach kurzer Erklärung, wer denn die Gäste wären, wurde gefachsimpelt. Natürlich musste Dr. Maus demonstrieren das er auch gut ausgerüstet ist. Der Oberarzt versprach dann auch gern mal aus zu helfen falls mal eine Medizin oder ein Verband benötigt würde. Nur die Schwestern dürften sie nicht mehr so erschrecken. 
Dies versprach Dr. Maus natürlich gerne und verabschiedete sich freudestrahlend und glücklich über die neu gewonnenen fachlichen Kontakte.